Deutscher Gewerkschaftsbund

21.06.2017

Studiengebühren: Sie sind wieder da

Studiengebühren sind dank kraftvoller Proteste lange Zeit ein Relikt der Vergangenheit gewesen. Überall hatte sich die Einsicht durchgesetzt, dass sie die Ungleichheit im Bildungszugang verschärfen. Nun machen Politiker_innen die Campus-Maut in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wieder hoffähig.

Hochschulpolitischer Dammbruch in Baden-Württemberg
In Ba­den-Würt­tem­berg kam es im Mai zu ei­nem hoch­schul­po­li­ti­schen Damm­bruch. Der Land­tag stimm­te der Ein­füh­rung von Stu­dien­ge­büh­ren für Stu­die­ren­de aus Län­dern au­ßer­halb der EU und Stu­die­ren­de im Zweit­stu­di­um zu. Sie müs­sen ab kom­men­den Win­ter­se­mes­ter 1.500 Eu­ro bzw. 600 € pro Se­mes­ter zah­len. Aus al­len Ecken der Ge­sell­schaft gab es hef­ti­gen Pro­test ge­gen die Rück­kehr des Be­zahl­stu­di­ums. Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Bau­er be­haup­tet, die Ge­büh­ren sei­en auf­grund der hö­he­ren Be­treu­ungs­kos­ten der bei­den Grup­pen not­wen­dig und soll de­ren Stu­dien­be­din­gun­gen ver­bes­sern. Je­doch flie­ßen nur ein Fünf­tel der ein­ge­nom­me­nen Ge­büh­ren an die Hoch­schu­len. Der Rest der Ein­nah­men geht in den Lan­des­haus­halt, der laut Aus­sa­ge der Mi­nis­te­rin sonst Kür­zun­gen im Be­reich Kunst und Kul­tur er­fah­ren hät­te. Stu­dien­qua­li­tät und Be­treu­ung wer­den durch die Ge­büh­ren al­so nicht ver­bes­sert.

Fatale Auswirkungen
Die Geg­ner_in­nen aus Stu­die­ren­den­ver­tre­tun­gen, Op­po­si­ti­on und Ge­werk­schaf­ten be­ton­ten die ab­schre­cken­de Wir­kung und die fa­ta­len Fol­gen für den in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch. So sind die Be­wer­ber_in­nen­zah­len von in­ter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den schon wäh­rend der De­bat­te um 30 Pro­zent ein­ge­bro­chen, ob­wohl die Lan­des­re­gie­rung Maß­nah­men zur So­zi­al­ver­träg­lich­keit ver­sprach.

Al­ler­dings grei­fen die­se eh nicht. Denn ob­wohl zwei Drit­tel der in­ter­na­tio­na­len Stu­die­ren­den aus so­zia­len Grün­den von den Ge­büh­ren be­freit wer­den müss­ten, ist die­se Son­der­re­ge­lung auf 5 Pro­zent ge­de­ckelt. 50 Ex­per­t_in­nen aus Wis­sen­schaft und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hat­ten des­halb in ei­ner Er­klä­rung kri­ti­siert, dass die Stu­dien­ge­büh­ren den Zie­len nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung durch Bil­dung und wis­sen­schaft­li­chem Aus­tausch zu­wi­der lau­fen.

Selbst Ge­flüch­te­te wer­den zu großen Tei­len zur Kas­se ge­be­ten, Aus­nah­men gibt es nur bei ei­ner ge­si­cher­ten Blei­be­per­spek­ti­ve.

Bil­dung muss un­ab­hän­gig von der Her­kunft für al­le zu­gäng­lich sein. Sie darf kei­nen künst­lich ge­schaf­fe­nen Sparz­wän­gen un­ter­lie­gen, son­dern muss ge­mein­schaft­lich von al­len fi­nan­ziert wer­den.

Nordrhein-Westfalen zieht nach
Mit Nein stimm­te im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Par­la­ment auch die FDP, die sich nun in Nord­rhein-West­fa­len in den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen mit der CDU eben­falls für die­ses Stu­dien­ge­büh­ren­mo­dell aus­sprach. Ab dem kom­men­den Win­ter­se­mes­ter müs­sen Stu­die­ren­de oh­ne EU-Pass al­so auch in NRW 1.500 Eu­ro pro Se­mes­ter be­rap­pen.

Die Gel­der sol­len dort so­gar al­len Hoch­schu­len zu­flie­ßen und nicht di­rekt zur Be­treu­ung der aus­län­di­schen Stu­die­ren­den ein­ge­setzt wer­den. Es wird auf dem Rücken ei­ner klei­nen Grup­pe, die eh schon vie­le Kos­ten zu Schul­tern hat, der Haus­halt der Hoch­schu­len fri­siert. Des­halb gab es bis zu­letzt in NRW hart­nä­cki­ge Pro­tes­te ge­gen die Cam­pus­maut, an de­nen sich auch die Ge­werk­schaf­ten be­tei­lig­ten. So warn­te der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund in NRW vor der ab­schre­cken­den Wir­kung für in­ter­na­tio­na­le Stu­die­ren­de und den ne­ga­ti­ven Fol­gen auf den Aus­tausch.

Aus den Er­fah­run­gen mit ver­gan­ge­nen Stu­dien­ge­büh­ren im Land, mach­ten die Ge­werk­schaf­ter_in­nen auf den bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand und die aus­blei­ben­den Ef­fek­te auf die Leh­re auf­merk­sam.

#PlanB: Solide Studienfinanzierung statt Studiengebühren
Aus gu­tem Grund fan­den sich Stu­dien­ge­büh­ren für ei­ne Wei­le nur in den Er­in­ne­run­gen der­je­ni­gen, die ge­gen sie er­folg­reich auf die Stra­ße ge­gan­gen sind. Nun wer­den sie wie­der als Lö­sung von Pro­ble­men in die De­bat­te ge­bracht. Doch da­mals wie heu­te bleibt für die Ge­werk­schafts­ju­gend klar: So­li­da­ri­tät geht an­ders! Stu­dien­ge­büh­ren sind so­zi­al un­ge­recht. Bil­dung muss für al­le kos­ten­los zu­gäng­lich sein und darf nicht vom ei­ge­nen oder dem Geld­beu­tel der El­tern ab­hän­gen.

Wir for­dern ei­ne Stu­di­en­fi­nan­zie­rung, die nie­man­den zu­rück lässt. Des­halb muss das BAföG an die Le­bens­rea­li­tät der Stu­die­ren­den an­ge­passt wer­den und die Ab­kopp­lung von den Le­bens­hal­tungs­kos­ten so­wie der Loh­n­ent­wick­lung ge­stoppt wer­den. BAföG rauf und kos­ten­freie Bil­dung lau­tet un­ser #PlanB!

Und auch für die Fi­nan­zie­rung ha­ben wir uns et­was über­legt. Denn die an­geb­lich lee­ren Kas­sen sind ein Pro­dukt wach­sen­der Un­gleich­ver­tei­lung. Un­ter der Ideo­lo­gie der „schwar­zen null“ wur­den öf­fent­li­che Aus­ga­ben ge­stri­chen, wäh­rend Un­ter­neh­men und ho­he Ein­kom­men im­mer we­ni­ger he­r­an­ge­zo­gen wur­den. Das hat die Un­gleich­heit enorm ge­stei­gert und den Staat hand­lungs­un­fä­hi­ger ge­macht. Die Ge­werk­schafts­ju­gend for­dert die Po­li­tik zum Han­deln auf: Die Ver­mö­gens- und Erb­schafts­steu­er muss wie­der­be­lebt bzw. re­for­miert wer­den, Ka­pi­tal­ein­künf­te müs­sen wie Ein­kom­men be­steu­ert wer­den und Steu­er­schlupflö­cher müs­sen ge­flickt wer­den. So las­sen sich ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­ben ge­recht auf al­le Schul­tern ver­tei­len.


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