Deutscher Gewerkschaftsbund

14.12.2016

Minijobs

Beschäftigungen mit einem monatlichen Bruttolohn bis zu 450 Euro sind "geringfügige Beschäftigungen". Umgangssprachlich heißen sie "450-Euro-Jobs" (manchmal wird auch noch von "400-Euro-Jobs" gesprochen, seit dem 1. Januar 2013 wurde die Einkommenshöhe aber angehoben auf 450 Euro) oder "Minijobs".

Die Regelungen der 450-Euro-Jobs gelten für Studierende und Nicht-Immatrikulierte gleichermaßen. Für geringfügige Beschäftigungen in Privathaushalten gelten zum Teil abweichende Regelungen (siehe unten).

Wieviel genau darf ich verdienen?

Der Bruttomonatslohn im Minijob darf höchstens 450 Euro im Kalendermonat betragen. Das gilt auch dann, wenn eine Beschäftigung erst mitten im Monat aufgenommen wird oder mitten im Monat endet. Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden anteilig auf jeden Arbeitsmonat angerechnet: Wer zehn Monate im Jahr arbeitet und zusätzlich 100 Euro Urlaubsgeld bekommt, darf also nur 440 Euro/Monat verdienen, damit es ein Minijob bleibt.

Unproblematisch ist, wenn man ein festes Einkommen hat, also jeden Monat gleich viel verdient. Wer immer mal wieder unterschiedlich viel arbeitet und dabei mal mehr als 450 Euro im Monat bekommt und mal weniger, für den_die gilt: Es wird der durchschnittliche Verdienst für Anzahl der Beschäftigungsmonate berechnet - liegt der über 450 Euro, liegt kein Minijob vor.

Wichtig: Es wird immer der Job als Ganzes betrachtet. Ist er ein Minijob, bleiben auch Monate mit höherem Einkommen als 450 Euro sozialversicherungsfrei (bzw. wird nur Rentenversicherung abgeführt). Ist er kein Minijob, bleiben auch Monate mit niedrigerem Einkommen als 450 Euro voll sozialversicherungspflichtig.

Eine weitere Ausnahme: In drei Monaten im Kalenderjahr darf das Einkommen unvorhergesehen mehr als 450 Euro betragen. (In Anlehnung an die bis 2018 angehobene Zeitgrenze für kurzfristige Beschäftigungen von zwei auf drei Monate, ist auch diese Grenze für mögliche Überschreitungen in dem Zeitraum auf drei Monate angehoben worden.)

Also nicht, weil du Semesterferien hast und daher mehr Zeit zum Arbeiten, sondern weil plötzlich eine Kollegin ausgefallen oder überraschend Mehrarbeit angefallen ist. Am Ende hast du vielleicht sogar mehr als 5.400 Euro im Jahr brutto verdient. Der Job erfüllt dann für die übrigen Monate die Voraussetzungen für einen Minijob, in den beiden Monaten aber nicht. Trotzdem wird der Job als Ganzes als Minijob behandelt, auch die beiden Monate mit dem unvorhergesehen höheren Bruttoverdienst sind nicht sozialversicherungspflichtig (bzw. nur Rentenversicherung wird abgeführt).

Geht das: Erst Minijob, dann richtiger Job - oder umgekehrt?

Wenn die Einkommensgrenze dauerhaft (und nicht nur unvorhergesehen und für höchstens zwei bzw. drei Monate) überschritten wird und ein Minijob dadurch den Minijobstatus verliert, wird das Einkommen ab diesem Monat - und nicht rückwirkend - voll sozialversicherungspflichtig bzw. fallen bei Werkstudent_innen nur die regulären Beiträge zur Rentenversicherung an. In der Regel greifen dann die Midijobregeln (bis 850 Euro im Monat).

Wenn bisher eine reguläre studentische Beschäftigung ausgeübt wurde, das Einkommen in diesem Job nun aber für einen längeren Zeitraum auf höchstens 450 Euro/Monat gesenkt werden soll und dies vertraglich vereinbart wird, wird der Job ab dem Zeitpunkt dieser Umstellung auch als Minijob behandelt.

In beiden Fällen wird darauf verzichtet, das durchschnittliche Monatseinkommen übers Jahr zu errechnen, um zu prüfen, ob ein Minijob vorliegt.

Und wenn zwischen dem Minijob und der Beschäftigung, mit der mehr als 450 Euro im Monat verdient wird, mindestens ein Monat Pause liegt, können beide sogar als separate Beschäftigungen betrachten werden, der Minijob wäre weiter Minijob, der andere Job z.B. eine kurzfristige Beschäftigung.

Steuern

In einem Minijob gibt es die Möglichkeit, nicht über die Steuer-ID zu arbeiten. Stattdessen wird eine Steuerpauschale in Höhe von zwei Prozent deines Einkommens gezahlt. Diese Pauschale wird üblicherweise von den Arbeitgeber gezahlt.

Das bedeutet: Verdienst du durch einen (oder mehrere) Job(s) mehr als den Steuerfreibetrag, kannst du zusätzlich dazu noch Einkommen aus einem (oder mehreren) pauschal versteuerten Minijob(s) beziehen, ohne dass Lohnsteuer über die Steuer-ID eingezogen wird. Du erhältst dein Einkommen aus dem Minijob dann gefühlt steuerfrei. Wenn im Arbeitsvertrag klar vom Bruttoeinkommen die Rede ist, kann dir die Pauschale vom Lohn abgezogen werden. Dieses Geld kannst dann Du auch nicht am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückholen. Du solltest dir also ausrechnen, ob sich das für dich lohnt.

Stattdessen kannst du aber über die Steuer-ID auf Lohnsteuer arbeiten. Damit spart man sich die Steuerpauschale, du zahlst dann allerdings - je nach Lohnsteuerklasse - Einkommensteuer auf die Minijobeinkünfte. Diese kannst du bei entsprechend geringem Einkommen oder auch, wenn du besonders hohe Ausgaben wie Sonderausgaben, Werbungskosten und Vorsorgeaufwendungen geltend machen kannst, durch eine Steuererklärung wieder zurückbekommen. In solch einem Fall musst du beachten, dass die Einkünfte aus dem Minijob zusammen mit anderen Einkünften den Einkommensteuerfreibetrag übersteigen können.

Sozialversicherung

Minijobs sind für Arbeitnehmer_innen grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, aber ansonsten sozialversicherungsfrei. Das heißt, es fallen für dich keine einkommensabhängigen Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung an - auch nicht für Nicht-Immatrikulierte. Du selbst zahlst lediglich einen verminderten Anteil von 3,7 Prozent für die Rentenversicherung. Durch die Zahlungen entstehen Ansprüche in der Rentenversicherung. Es gibt Möglichkeiten sich befreien zu lassen.

Liegt dein Einkommen unter 175 Euro im Monat, ist für den tatsächlichen Verdienst ein Eigenbeitrag von 3,7 Prozent und für die Differenz vom tatsächlichen Verdienst bis 175 Euro der volle Rentenversicherungsbeitrag von 18,7 Prozent zu zahlen.

Beachte: Wenn du dich als Minijobber_in von der Versicherungspflicht befreien lässt, ist das bis zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses bindend und du erwirbst keine Ansprüche durch den Minijob aus dem Rentenversicherungssystem.

Der Arbeitgeber meldet einen 450-Euro-Beschäftigten bei der Minijobzentrale der Deutschen Rentenversicherung und zahlt dorthin auf die Höhe des jeweiligen Monatsentgeltes 13 Prozent Pauschalbetrag für die Krankenkasse, 15 Prozent pauschal für die Rentenversicherung sowie gegebenenfalls 0,1 Prozent für die Lohnfortzahlungsversicherung der Minijobzentrale und 2 Prozent Lohnsteuerpauschale.

Diese Zahlungen wirken sich aber weder auf deine eigenen Krankenkassenbeiträge noch auf die dir zustehenden Leistungen der Krankenkasse und schon gar nicht auf die Höhe deines Lohnes aus. Die kostenlose Familienversicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse wird von Minijobeinkommen in der Regel nicht berührt, ebenso wenig die Zahlung zur studentischen Krankenversicherung. Allerdings bestehen aus dem Minijob allein keine Ansprüche auf Krankengeld von der Krankenkasse.

Falls du privat krankenversichert bist, muss der Arbeitgeber die Pauschalzahlung für die Krankenkasse nicht entrichten.

Sonderregeln Minijob im Privathaushalt

Für Minijobs, die ausschließlich in einem Privathaushalt anfallen und erledigt werden, gelten weitere Vergünstigungen. Der Gesetzgeber will es Privatleuten leichter machen, ihre Haushaltshilfen legal zu beschäftigen.
Vorteil für die Beschäftigten ist, dass sie zum Beispiel Rentenansprüche erwerben und unfallversichert sind. Diese Regelung betrifft dich, wenn du zum Beispiel privat bei jemandem für Geld putzt oder die Kinder hütest und dabei nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienst. Die Abzüge für Dich betragen 13,7 Prozent an die Rentenversicherung.

Der Arbeitgeber meldet das Arbeitsverhältnis der Bundesknappschaft, die für die Minijobs in Privathaushalten zuständig ist.

Er muss dann einen Pauschalbetrag für dich abführen, der aber nicht wie bei normalen Minijobs bei 28 beziehungsweise 30 Prozent von der Höhe deines Verdienstes liegt, sondern nur bei zwölf Prozent (davon fünf Prozent Rentenversicherung, fünf Prozent Krankenversicherung und zwei Prozent Pauschalsteuer). Dazu kommen 1,6 Prozent für die Unfallversicherung. Außerdem können zehn Prozent (aber maximal 510 Euro) der jährlichen Aufwendungen für dich steuerlich abgesetzt werden.

Ein weiterer Vorteil für den Arbeitgeber ist, dass er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Sozialversicherungsbeiträge können nämlich sowohl von Arbeitnehmer_innen- als auch von Arbeitgeberseite noch mindestens vier Jahre im Nachhinein verlangt werden. Bei Verstößen gegen diese Regelungen drohen saftige Geldbußen.

Ansonsten gelten für dich dieselben Regelungen wie bei allen anderen 450-Euro-Jobs. Auch hier kannst du dich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen und musst dafür keinen eigenen Antrag stellen. Es reicht, wenn du das bei Vertragsschließung von deinem Arbeitgeber in deren Haushaltsscheck eintragen lässt.

Weitere Infos findest du auf den Seiten der Minijobzentrale.

Minijob und noch ein Job

Natürlich kannst du auch mehrere 450-Euro-Jobs ausüben, ohne voll sozialversicherungspflichtig zu werden, wenn du insgesamt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienst. Ansonsten gilt das Folgende:

  • Fall 1: Zwei und mehr Minijobs nebeneinander, die zusammen nicht mehr als 450 Euro bringen sind kein Problem. Alle Jobs werden weiterhin wie bisher als Minijobs abgerechnet.
  • Fall 2: Wenn man zusätzlich zu einem Minijob eine reguläre Beschäftigung (keine kurzfristige) bei einem anderen Arbeitgeber aufnimmt, gibt es kein Problem. Minijob bleibt Minijob, der andere bleibt reguläre Beschäftigung (ggf. eingestuft als Midijob, je nach Gesamtarbeitszeit im Werkstudent_innenstatus oder voll sozialversicherungspflichtig).
  • Fall 3: Wenn man zusätzlich zu Fall 1 eine reguläre Beschäftigung bei einer anderen Arbeitgeberin aufnimmt, bleibt nur der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob weiterhin ein Minijob. Alle anderen werden zu der neu aufgenommenen Beschäftigung dazugerechnet, die Gesamtheit dieser Jobs wird dann als reguläre Beschäftigung (ggf. eingestuft als Midijob, im Werkstudent_innenstatus oder voll) sozialversicherungspflichtig.
  • Fall 4: Wenn man zusätzlich zu einem Minijob einen oder mehrere Minijob(s) bei einem anderen Arbeitgeber aufnimmt und die Summe der Einkünfte aus allen diesen Jobs mehr als 450 Euro beträgt, gibt es am Ende gar keinen Minijob mehr. Die Einkünfte aus allen Jobs werden zusammengerechnet und sozialversicherungspflichtig (gegebenenfalls nach den Regeln für Midijobs und/oder Werkstudent_innen).
  • Fall 5: Einer oder mehrere Minijobs (nach Fall 1) und eine kurzfristige Beschäftigung bei einer anderen Arbeitgeberin nebeneinander, sind kein Problem.
  • Fall 6: Einer oder mehrere Minijobs (nach Fall 1) und eine oder mehrere (geringfügige) selbständige Tätigkeit(en) nebeneinander, sind kein Problem.

Wenn die Krankenkasse oder die Minijobzentrale im Nachhinein feststellen, dass durch Zusammenrechnen mehrerer Beschäftigungen doch Sozialversicherungspflicht (für Werkstudent_innen: Rentenversicherungspflicht) entsteht und der Arbeitgeber bei der Meldung nicht getrickst oder geschludert hat, werden Sozialversicherungsbeiträge nicht rückwirkend, sondern erst ab diesem Zeitpunkt fällig. Kommt die Falschanmeldung aber durch fehlende Informationen zustande, z.B. weil du nicht allen Arbeitgeber deine anderen Jobs gemeldet hast, können auch rückwirkend Beiträge fällig werden - schlimmstenfalls zu deinen Lasten.

Zum Schutz der Arbeitnehmer_innen ist es nicht möglich, mehrere Minijobs bei derselben Arbeitgeberin auszuüben. Ebenso kann ein Arbeitnehmer nicht bei demselben Arbeitgeber einen Minijob ausüben und einem regulären studentischen Beschäftigungsverhältnis nachgehen. Beide Einkommen werden dann zusammengezählt und als ein Arbeitsverhältnis betrachtet, also zusammen sozialversicherungs- (und ggf. steuer-)pflichtig.

Geht das: Rückwirkende Aufhebung des Minijobstatus?

Wenn bei einer Prüfung der Betriebsdaten oder Einkommensunterlagen festgestellt wird, dass eine Beschäftigung, die als Minijob gemeldet und abgerechnet wird, tatsächlich nicht den Minijobkriterien entspricht, kann aus dieser Beschäftigung rückwirkend Sozialversicherungspflicht entstehen. Dann werden andere Beiträge zur Rentenversicherung fällig. Wer kostenlos familienversichert war, muss ggf. auch Beiträge zur studentischen Krankenversicherung nachzahlen.

Dasselbe kann passieren, wenn eine Lohnerhöhung wirkt. (Dies gilt auch für rückwirkende Lohnerhöhungen, die z. B. gerichtlich erstritten wurden.)


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